„Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“
Gott hat nicht nur unseren persönlichen Weg festgelegt, er hat auch den Weg der Gemeinde vorgeschrieben. Alle, die Gott angehören, haben daher die Pflicht, den von Gott bestimmten Weg zu suchen, und sie haben die Verantwortung, auf diesem Weg auch zu wandeln.
Das vorliegende Buch enthält die Mitschrift eines Bibelstudiums, das W. Nee mit jungen Brüdern 1945 in Chungking abhielt. Wir veröffentlichen es, da wir die Notwendigkeit sehen, dass noch mehr Menschen den von Gott bestimmten Weg erkennen. Die Absicht dieses Buches ist lediglich, die Wahrheit darzulegen und zu erklären, nicht sie zu diskutieren. Darum wollen wir auch den Leser darum bitten, das Geschriebene mit einem demütigen, offenen Herzen zu lesen.
Offenbarung 1–3; 22:7, 18–19
Alle Schriften des Apostels Johannes, sowohl sein Evangelium als auch seine Briefe, waren jeweils der Abschluss der Evangelien und der Briefe, und die Offenbarung ist natürlich das letzte aller Bücher in der Bibel. Die Evangelien des Matthäus, Markus und Lukas beschreiben das Leben des Herrn Jesus auf dieser Erde, das Evangelium des Johannes hingegen spricht von dem, „der aus dem Himmel herabgekommen ist, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist“ (Joh. 3:13). Johannes beschreibt in seinem Evangelium den ins Fleisch gekommenen Sohn Gottes, der voller Gnade und Wahrheit war. Damit weist er auf die unumstößliche Wahrheit hin, angesichts derer die Menschen nicht anders können, als zu glauben. Das Johannesevangelium führt uns über den Bereich des rein Menschlichen hinaus, damit wir den Sohn Gottes völlig ergreifen mögen.
Die Schriften des Johannes haben das besondere Merkmal, uns zum Anfang zurückzubringen. Im Johannesevangelium wird uns gesagt, dass Christus im Anfang war; die Briefe des Johannes sprechen über das Wort des Lebens, das von Anfang an war; und auch die Offenbarung des Johannes bringt uns zu den anfänglichen, ewigen Dingen zurück. Das Evangelium zeigt uns den Sohn Gottes, der im Fleisch kam, er lebte mitten unter den Menschen, doch sie missverstanden ihn und hielten ihn nur für Jesus von Nazareth; aus diesem Grund zeigt uns Johannes die feststehende Tatsache, dass dieser Jesus im Fleisch bereits von Anfang an gewesen ist. Darin liegt die größere Kraft des Johannesevangeliums gegenüber den anderen Evangelien.
Die Briefe des Johannes zeigen dasselbe. Was die Person Jesu betrifft, so ist er der Sohn Gottes, und was seinen Dienst betrifft, ist er der Christus. Doch weder ihn selbst noch seinen Dienst erkannten die Menschen. Daher betont Johannes in seinen Briefen insbesondere diese beiden Aspekte und bringt uns so zum Anfang zurück.
Als Johannes die Offenbarung schrieb, herrschte große Verwirrung: das Wüten des römischen Kaisers hatte gerade seinen Höhepunkt erreicht. Vor diesem Hintergrund lässt uns Johannes einen Blick hinter die Kulissen in die Zukunft werfen und zeigt uns, wie Gott den Zustand dieser Welt beurteilt. Im Buch der Offenbarung sehen wir jedoch nicht nur den Zustand dieser Welt, sondern auch den Zustand der Gemeinde.
Sogar von außen betrachtet war große Verwirrung in der Gemeinde zu erkennen, und in diese Situation hinein spricht die Offenbarung über das, was dem Herrn gefällt, über das, was er verurteilt, und zeigt den Weg des Herrn für die Gemeinde auf. Im Laufe der Geschichte nahm die Gemeinde vielerlei Gestalt an, doch welcher Weg und welcher Zustand entsprechen dem Herrn? Uns dieses Verlangen des Herrn hinter den Kulissen zu zeigen, ist das Anliegen des Johannes. Wenn wir die Offenbarung lesen, müssen wir dies im Gedächtnis behalten.
Im Neuen Testament erkennen wir zwei Gruppen von je sieben Briefen. Gott benutzte Paulus, um die erste Gruppe zu schreiben: die Briefe an die Römer, Korinther, Galater, Epheser, Philipper, Kolosser und an die Thessalonicher. Er benutzte Johannes, um die zweite Gruppe zu schreiben. Die ersten sieben Briefe sprechen über die Gemeinde in einer Zeit des Normalzustandes. Die Letzteren sprechen über die Gemeinde in einer Zeit, als der Zustand nicht mehr normal war. (Dasselbe trifft für die drei Evangelien des Matthäus, Markus und Lukas zu. Sie helfen dem Menschen ganz allgemein, Gott zu erkennen. Das Johannesevangelium jedoch ist Gottes Reaktion auf die Unklarheit und Verwirrung, die damals unter den Menschen herrschte. Aus diesem Grund finden wir in diesem Evangelium auch die Begriffe Gnade und Wahrheit. Wir alle wissen, dass Gottes Liebe als Gnade zu uns Menschen kommt und dass sein Licht uns als Wahrheit erreicht. Der erste Johannesbrief ist ebenfalls eine Reaktion Gottes auf einen unnormalen Zustand. Aus diesem Grund spricht er von Licht und Liebe.) Die sieben Briefe des Paulus behandeln das normale Gemeindeleben. Aber schon nach kurzer Zeit fiel die Gemeinde, und ihr Zustand war nicht mehr normal. Die Ältesten und die Dienste, die Gott bestimmt hatte, gab es nicht mehr. Aus diesem Grund schrieb Johannes in Offenbarung zwei und drei die letzten sieben Briefe im Neuen Testament. Sie zeigen uns, wie Gott die gefallenen Gemeinden behandelt. Die Gemeinde Gottes befindet sich heute in großen Schwierigkeiten, und wer dem Herrn ernsthaft nachfolgen will, kommt an Offenbarung zwei und drei nicht vorbei. Hier wird uns gezeigt, wie dem unnormalen Zustand zu begegnen ist. Nur wenn wir den Weg in Offenbarung zwei und drei suchen, können wir heute als Christen bestehen.
Paulus schrieb die ersten sieben Briefe vor der „letzten Stunde“, während Johannes die letzten sieben während eben dieser Zeit schrieb. 1.Johannes 2:18 spricht von einem anderen Zeitalter, von der letzten Zeit: „Kinder, es ist die letzte Stunde; und wie ihr gehört habt, dass der Antichrist kommt, so sind auch jetzt viele Antichristen gekommen; daran erkennen wir, dass es die letzte Stunde ist.“ Wenn die Christen nur das Licht in den ersten sieben Briefen sehen, kennen sie den Willen Gottes für die letzte Zeit nicht.
Im Neuen Testament erkennen wir drei herausragende Dienste: den des Petrus, des Johannes und des Paulus. Der zweite Petrusbrief war das letzte von Petrus verfasste Buch. Dort weist Petrus bereits auf den Abfall hin. Der zweite Timotheusbrief war das letzte von Paulus verfasste Buch, und in Kapitel zwei heißt es: „Und was du von mir durch viele Zeugen gehört hast, das befiehl treuen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren“ (2.Tim. 2:2). Im ersten Timotheusbrief sehen wir die Gemeinde als das Haus Gottes, den Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit (1.Tim. 3:15). Trifft das heute noch zu? Heute befinden sich in einem großen Haus nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene. Es geht darum, sich von den Gefäßen zur Unehre zu reinigen, um der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe und dem Frieden mit denen nachzujagen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen (2.Tim. 2:20–22). Die Briefe des Johannes sind die letzten von ihm geschriebenen Bücher. Dort schreibt er auch, dass die Antichristen schon gekommen sind und dass wir uns absondern sollen (1.Joh. 4:1–3). Es ist mein Anliegen, dies klarzumachen. Ganz allgemein gesprochen ist das Zeitalter vom Anfang der Gemeinde bis heute ein Zeitalter, nämlich das Zeitalter der Gemeinde. Doch so einfach ist es nicht, denn wir müssen zumindest das Normale von dem Abnormalen unterscheiden. Der Zustand der Gemeinde ist heute trostlos: Schwierigkeiten und Verwirrung. Wenn ihr diese Tatsache nicht erkannt habt, braucht ihr die Offenbarung nicht zu lesen. Die ersten sieben Briefe (d.h. die des Paulus) behandeln den Normalzustand. Heute jedoch ist die Situation unnormal. Was sollen wir also tun? Die Verwirrung auf dieser Erde hat eigentlich keinen Einfluss auf die geistliche Wirklichkeit. Gottes geistliche Wirklichkeit bleibt unangetastet. Doch das Zeugnis der Gemeinde leidet heute unter großer Verwirrung. Die Katholische Kirche behauptet, dass sie der Leib Christi sei. Nach einer 1914 unter den protestantischen Gruppen durchgeführten Erhebung (die Splittergruppen ausgenommen) gab es mehr als 1500 wohlorganisierte Denominationen, die alle behaupteten, der Leib Christi zu sein. Dieser hier sich äußernde Abfall begann schon, bevor Johannes, Petrus und Paulus gestorben waren. Paulus schrieb an Timotheus, dass sich alle, die in Asien waren, von ihm abgewandt hatten (2.Tim. 1:15). Dies schloss sogar Ephesus mit ein. Nicht nur ist aus dem Senfkorn ein großer Baum geworden, sondern die Vögel nisten sogar darin. Unter solchen Umständen sollten wir Kinder Gottes uns nur um eines kümmern: Wie soll ich dem Herrn folgen und ihm dienen? Was soll ich tun? Wenn das Zeugnis der Gemeinde trostlos aussieht, müssen wir unbedingt fragen: Was sollen wir tun? Ich wage zu behaupten, dass nur ganz wenige Christen diese Frage auf dem Herzen haben. Allerdings sehen heute schon mehr Christen das Problem als noch vor 40 Jahren. In Offenbarung Kapitel 2 und 3 zeigt uns der Herr den Weg, den wir gehen sollen. Wenn wir mit einem suchenden Herzen zu Gott kommen, wird er uns in Offenbarung Kapitel 2 und 3 zeigen, was wir tun sollen.
Bevor wir die Offenbarung lesen, müssen wir wissen, um was für ein Buch es sich handelt. Die Verse 7, 18 und 19 in Kapitel 22 zeigen uns, dass das besondere Merkmal der Offenbarung ihre prophetische Natur ist. Nicht nur die sieben Siegel, die sieben Trompeten und die sieben Schalen sind prophetisch, sondern auch die sieben Sendschreiben sind prophetischer Natur. Es ist zwar unumstritten, dass die Offenbarung ein Buch der Prophetie ist. Doch die Frage, ob auch die sieben Gemeinden prophetisch zu verstehen sind, wagt keiner zu bejahen. Dieses Buch ist ein Buch der Prophetie, und deshalb darf niemand etwas hinzufügen noch etwas davon wegnehmen. Da die Offenbarung ein Buch der Prophetie ist, müssen wir sie auch als Prophetie behandeln und die Erfüllung ihrer Weissagungen herausfinden. Wir müssen erstens sehen, dass dieses Buch der Offenbarung prophetischer Natur ist, und zweitens, dass sich alle seine Weissagungen erfüllen werden.
Zur Zeit, als Johannes auf die Insel Patmos verbannt war, gab es mehr als nur sieben Gemeinden in Asien. Warum erwähnte er aber nur diese sieben? Er sah lediglich diese sieben Gemeinden, da sie alle anderen Gemeinden repräsentieren. Gott wählte sieben Gemeinden aus, die ähnliche Eigenschaften aufwiesen wie alle Übrigen, und belegte sie mit der Prophetie.
Auf der Erde sehen wir die sieben Gemeinden in der Landschaft Asien und im Himmel ebenfalls nur sieben Leuchter. Jeder Gemeinde auf dieser Erde entspricht ein Leuchter im Himmel. Ist es nicht merkwürdig, dass Johannes nur sieben Gemeinden auf dieser Erde und nur sieben Leuchter im Himmel sah? Es scheint, dass die Gemeinde in Chungking ausgelassen wurde, desgleichen die Gemeinde in Nanking. Wie sollen wir das verstehen? Wir dürfen nicht vergessen, dass all dies Prophetie ist. Deshalb werden nur sieben Gemeinden beschrieben, die jedoch alle anderen Gemeinden repräsentieren. Es bedurfte keiner achten Gemeinde. Sicherlich gibt es mehr als sieben Gemeinden auf der Erde, doch diese sieben wurden als repräsentativ ausgewählt. Es gibt nur sieben Leuchter im Himmel, da die Geschichte der sieben Gemeinden die gesamte Kirchengeschichte beschreibt.
Als Johannes, der von den zwölf Aposteln am längsten lebte, im Jahre 95 oder 96 nach Christus das Buch der Offenbarung schrieb, war alles, was er gesehen hatte, für die Leser Prophetie. Für uns heute sind jedoch die sieben Sendschreiben schon Geschichte – wir sehen sie bereits im Rückblick.
Lasst uns zwei Versen besondere Aufmerksamkeit schenken. In Kapitel 1:3 heißt es: „Selig ist, der die Worte der Weissagung liest und die sie hören und bewahren (oder halten), was darin geschrieben steht“, und in Kapitel 22:7: „Selig ist, wer die Worte der Weissagung dieses Buches bewahrt (oder: hält).“ Hier wird ganz klar, dass diese Prophetien Gottes Gebote sind. Obwohl sich dieses Buch uns als Prophetie darstellt, ist es vom Wesen her eigentlich Gottes Gebot. Die Offenbarung ist uns also zum Praktizieren, nicht zum Studieren gegeben. Diese Prophetien unterscheiden sich von allen anderen: Die Menschen sollen sie bewahren und halten. Das Problem heute ist nicht die Geschichte, denn diese ist Vergangenheit, sondern die Weissagung zu bewahren und zu halten. Johannes und uns verbindet ein gemeinsames Verlangen, nämlich diese Prophetie zu halten – und zwar von Anfang bis Ende.
Lasst uns einen kurzen Blick in das erste Kapitel tun. Es enthält die Offenbarung des Herrn Jesus Christus. Die erste Hälfte bis Vers 8 ist ein Vorwort zum gesamten Buch der Offenbarung; die zweite Hälfte ist ein Vorwort zu den Kapiteln 2 und 3. Vers 13 beschreibt den Herrn als Priester, „bekleidet mit einem Gewand, das bis zu den Füßen reichte“, denn die Priester trugen lange Gewänder. Es war die Aufgabe des Priesters, den Leuchter im Heiligen, dessen Licht Tag und Nacht nicht verlöschen durfte, zuzurichten. Er musste beständig den Docht trimmen und Öl nachgießen. Der Herr Jesus ist der Priester, der mitten unter den Gemeinden wandelt, um darauf zu sehen, welche Lampe brennt und welche nicht. Indem er beschneidet, richtet er, denn das Gericht beginnt beim Hause Gottes. Christus wandelt mitten unter den Gemeinden und führt sein Werk des Gerichtes aus, und dieses heutige Gericht hat Bedeutung für die Ewigkeit.
Johannes war der Jünger, der dem Herrn am nächsten stand, denn nur von ihm wird gesagt, dass er an seiner Brust lag (Joh. 21:20, 24). An dem Tag, als er den Herrn sah, fiel er zu seinen Füßen wie ein Toter, denn er erkannte ihn als den Richter. In den Evangelien und den Briefen sahen wir Jesus als den Herrn der Gnade, hier aber sehen wir ihn als den Herrn des Gerichts. Allerdings ist es immer noch das zurechtbringende Gericht eines Priesters durch Beschneiden. Am Tag des Herrn wird es kein Zurechtbringen mehr, sondern nur noch Gericht geben. Jedes einzelne Kind Gottes wird eines Tages der Heiligkeit des Herrn mit Schrecken gegenüber stehen müssen. An jenem Tag wird jede Ausrede aufhören, denn das Licht macht jede Ausrede zunichte. Die Menschen mögen viele Argumente haben, doch angesichts des Herrn werden diese alle vergehen. Jeder Mensch wird genau wie Johannes „wie tot zu seinen Füßen fallen“. Je weiter ein Mensch vom Herrn entfernt ist, desto größer ist sein Selbstvertrauen. Das Licht Gottes wird er jedoch nicht ertragen können. Wir alle müssen Gottes Behandlung erfahren – wenigstens einmal. Der erste Teil eines jeden Sendschreibens zeigt uns, wer der Herr ist, und das darauf folgende Wort an die Gemeinde steht in engem Zusammenhang damit. Das Buch der Offenbarung ist nicht an die Kinder (teknon) Gottes geschrieben, sondern an die Sklaven (doulois) Gottes (1:1). Sklaven sind Erkaufte, und wer nicht ein Sklave Gottes ist, versteht dieses Buch nicht. Wer den Herrn nicht kennt, kann auch die Gemeinde nicht sehen. Die Gemeinde ist die Fortsetzung des Kreuzes, und es ist unmöglich, das Kreuz, nicht aber dessen Fortsetzung zu kennen.
Die sieben Sendschreiben beginnen mit dem Herrn und enden mit dem Ruf an die Überwinder. Wer sind die Überwinder? Was sind die Überwinder? Sind sie besondere, überdurchschnittliche Gläubige? In der Bibel sind die Überwinder normale, gewöhnliche Gläubige, solche, die in einer Zeit unnormaler Zustände normal geblieben sind. Heute leben die meisten Christen unter dem biblischen Niveau. Die Überwinder hingegen haben diesen Standard nicht verlassen. Gott ruft heute die Überwinder, aufzustehen und dem anfänglichen, normalen Muster entsprechend zu wandeln. Der Wille Gottes ändert sich nie; er ist wie ein gerader Leitfaden. Die Menschen versagen und fallen immer tiefer, doch die Überwinder werden immer wieder in den Willen Gottes zurückgebracht.
Zwei weitere Dinge zeigt uns Offenbarung 1: Erstens ist die Gemeinde der goldene Leuchter, und der Herr wandelt mitten unter den Leuchtern; zweitens hält der Herr die sieben Sterne, welche die Engel der sieben Gemeinden sind, in seiner rechten Hand.
Die verschiedenen Metalle, die in der Bibel genannt werden, haben alle eine Bedeutung: Eisen versinnbildlicht politische Macht, Bronze Gericht, Silber Erlösung und Gold die Herrlichkeit Gottes. Die Herrlichkeit Gottes kann niemand verstehen. Die Gerechtigkeit Gottes dagegen können wir verstehen. Schwieriger, aber nicht unmöglich ist es, die Heiligkeit Gottes zu begreifen. Die Herrlichkeit Gottes jedoch konnte noch kein Mensch verstehen, denn sie ist eine Eigenschaft, die einzig und allein Gott charakterisiert. Die Gemeinde besteht aus Gold. Die Menschen in der Gemeinde sind aus Gott geboren, nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen eines Mannes (Joh. 1:13). Die Gemeinde hat absolut nichts mit dem natürlichen Menschen zu tun. Manchmal werde ich gefragt, was das Werk aus Holz, Heu und Stroh ist. Holz, Heu und Stroh sind die Werke des Fleisches.
Am Anfang des Sendschreibens an die Gemeinde in Ephesus lesen wir (Offb. 2:1), dass dieser Brief von dem, der die sieben Sterne (die Boten der Gemeinde) in seiner Rechten hält und mitten unter den Leuchtern wandelt, an den Boten der Gemeinde gerichtet ist. Alle sieben Sendschreiben wurden an den jeweiligen Boten der Gemeinde geschrieben. Dies unterscheidet sie von den ersten sieben von Paulus verfassten Briefen. Paulus schrieb an die Gemeinden, obwohl er im Philipperbrief alle Heiligen, die Bischöfe und Diakone besonders nannte. Die Sendschreiben nun wurden an die Boten der sieben Gemeinden, nicht direkt an die Gemeinden gerichtet. Daran erkennen wir einen entscheidenden Wandel. Es wurden zahlreiche Versuche unternommen, Gemeinsamkeiten der sieben Paulusbriefe mit den Sendschreiben zu entdecken, und viele falsche Interpretationen der Boten waren das Ergebnis. Die sieben Boten sind die sieben Sterne in der Hand des Herrn. Wer ist dieser Bote, von dem jedes Mal in der Einzahl gesprochen wird? Dieser eine Bote ist von seiner Natur her korporativ. Daher erklärt sich, dass der Aufruf am Ende eines jeden Briefes an die Überwinder in der Mehrzahl ergeht. Dieser Bote ist ein korporativer Bote, der die Gemeinde vertreten kann. Gottes Umgang mit der Gemeinde musste sich ändern, denn anfangs stand die Gemeinde vor dem Herrn, heute ist es nur noch eine Minderheit, die vor dem Herrn steht, nämlich dieser Bote. Ein Leuchter kann schon einmal verlöschen, nicht aber ein Stern. Der Herr bezeichnet seinen Boten als das unauslöschliche Licht eines Sternes. Dieser Stern ist in der Hand des Herrn. Heute ist in den Augen des Herrn sein Bote eine Gruppe von Menschen, denen die Natur der Gemeinde anvertraut ist. Wenn die Beziehung der Gemeinde zum Herrn gestört ist und aufgrund dessen ihre äußere Erscheinung, ihr Zeugnis, Schaden genommen hat, dann sieht der Herr eine Gruppe von Menschen, einen Boten, als Repräsentanten der Gemeinde. Lasst mich dies an einem einfachen Beispiel veranschaulichen. Angenommen, mehrere Chinesen begehen eine Straftat. Wie schnell kann nun jemand behaupten, alle Chinesen seien schlechte Menschen. Du jedoch, der du ein guter Mensch bist, verkündest, dass auch du ein Chinese bist und dass du den wahren chinesischen Charakter vertrittst, nicht die anderen.
Früher wurde die Gemeinde durch die Ältesten repräsentiert, heute wird die Verantwortung, die Gemeinde zu repräsentieren, dem geistlichen (korporativen) Boten übertragen, und das sind nicht unbedingt die Ältesten. Heute überträgt Gott die Verantwortung allen, die die Gemeinde repräsentieren können. Die Position, bzw. das Amt, spielt dabei überhaupt keine Rolle, sondern nur, ob jemand in Gottes Augen geistliche Autorität besitzt.
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Copyright der deutschsprachigen Ausgabe
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